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Rallye Breslau 2012 – Polen 03.07.2012 – SS4
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Ein altbekanntes Gelände und doch neue Strecken: Nachdem fast die Hälfte des Truppenübungsplatzes von Drawsko nun unter Naturschutz steht und nicht mehr befahren werden kann, gab es erstmals seit Jahren komplett neue Strecken. Gespeicherte Schlammpunkte waren nichts mehr wert, neue Bedingungen fuer Alle.
Es ist der Crew um Henrik Strasser gelungen, auch heute wieder eine sehr abwechslungsreiche und anspruchsvolle Etappe zusammenzustellen. Bereits kurz nach dem Start ging es durch eine wunderschöne kleine Flusslandschaft im Wald (hier hatten wir gestern Abend noch einen MAN KAT 8x8 geborgen), deren Uferzonen sich aber bereits unter dem Ansturm der Motorradfahrer in eine bodenlose Morastlandschaft verwandelten.
Hier ging wieder nur alles im Team und manch ein Motorrad musste mit improvisierten Flaschenzügen und fünf Mitstreitern dem Schlamm entrissen werden. Später teilten sich die Strecken auch noch in Routen für Motorräder und PKW/LKW.
Für Dakar-Spezi Christina Meier lief es heute von Anfang bis Ende sehr gut. „Sicher sind viele andere schneller als ich“ erklärt sie mir nach der Etappe, „aber es geht über 8 Tage und ich teile mir meine Kräfte ein und muss ja auch auf mein Material achten.“
Bei den PKW wurde heute richtig gekämpft. Andreas Pflug und Patrick Wunsch (Team Fettschnecken) rollten heute, nachdem sie gestern mit vielen Problemen zu kämpfen hatten und weit zurückfielen, das Feld auf und erreichten das Camp ausnahmsweise mal mit einem heilen Range Rover. Sie liegen aktuell auf Platz 61 im Gesamtklassement.
Ein für viele sicher erstaunliches Ergebnis hat der Franzose Gilles Girousse (#213, Mercedes G) bisher abgelegt. Trotz seiner fast 2 Stunden im Graben auf der 2. Etappe liegt er an Platz 12 der Gesamtwertung - und vielleicht stimmt doch noch, was er zu Beginn der Rallye sagte als er seinen Wagen ablud: „Dieses Jahr fahre ich auf Sieg!“
Unsere besonderen „Friesen-Trucker“ Daniel und Wolfgang Tibus fuhren mit ihrem 900 PS Unimog DoKa den Anfang der Etappe fast ums Überleben. Auf ihren Fersen folgte der beruechtigte Ex-Breslau Sieger Ostaszewski mit seinem Mercedes Zetros - bis das zweite Schlammloch kam. Hier konnte sich Ostaszewski dank einer besseren Kurswahl (auch er steckte dennoch lange im Loch) einen Vorteil verschaffen und war – allerdings ohne Ruecksicht auf´s Material - vor der Familie Tibus wieder raus.
„Unsere Winde hörte plötzlich auf zu arbeiten und wir mussten von da an alles nur mit unserer Fahrweise meistern“ erklärt mir Daniel den Zeitverlust.
Daniel, der sich vorgestern zudem die Kapsel in der Schulter angerissen hatte, will nun Mittwoch erstmal ruhiger machen - die schnelle „Verbindungs WP“ von knapp 200 Kilometern von Recz nach Boryszyn, laut Rallye-Chef Henrik Strasser „ein halber Ruhetag“ - wird ihm morgen sicher sehr entgegenkommen.
Halber Ruhetag? Nunja, die morgige Etappe geht es ruhiger an, spaeter Start gegen 11:00 Uhr, danach kurze Etappen und Ueberfuehrungen ins neue Camp, dazwischen ein Servicepark fuer kleine Reparaturen. Man will die Teilnehmer schonen, denn am naechsten Tag beginnt die beruehmt-beruechtigte „Hannibal-Etappe“, diesmal in ein neues Camp, nahe der tschechischen Grenze.
Während ich diese Zeilen schreibe knattern vier Schlamm-verkrustete Gestalten auf ihren Motorrädern an unserem Pressezelt vorbei – Teilnehmer, die gerade noch aus eigener Kraft aus der Etappe kamen und nun erstmal die Motorräder vor dem Bierwagen parken bevor sie ihre Karten abgeben. Sie haben sich ihr Bier verdient.
Mit dem Klang der Generatoren legt sich nun wieder die für Marathonrallys typische Ruhe über das Camp. Eine Ruhe, die unterbrochen wird vom Treiben der Service Crews die ihre Teamfahrzeuge wieder aufbauen. Fuer echte Rallyfans ein Sound, ohne den man nicht schlafen kann.
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